Nachbericht Full Force 2023 - Erdbeerbowle & E-Gitarren

Auch diesmal waren wir beim Full Force wieder mit am Start. Wir berichten euch wie nass es war, welche Bands am meisten gerockt haben, welche Änderungen es auf dem Festivalgelände gab und wie lange die Erdbeerbowle gereicht hat – Spoiler: nicht bis zum Ende. Außerdem haben wir wie immer viele tolle Bilder im Gepäck um euch ein paar visuelle Eindrücke mitzugeben. Lest weiter für mehr Infos.

 

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Am Donnerstag startete der Einlass für das Full Force Festival 2023 mit einer gehörigen Portion Regen. Die Veranstalter mussten die MoreCore-Warm-Up-Party aufgrund starker Unwetter leider absagen, sie konnte aber an einem anderen Abend nachgeholt werden. Die Schlechtwetterfront wollte auch am Freitag noch nicht komplett vorbeiziehen. Die Bands betraten die Bühnen unter grauen Wolken, und der Regen begleitete sie quasi den ganzen Tag über. Für die Festivalbesucher gestaltete es sich entsprechend mühsam, sich vom Camp vor die Bühnen zu schleppen, aber einige haben es trotzdem geschafft.

Leider mussten wir erfahren, dass die Band, mit der wir den Tag beginnen wollten, nicht auftreten konnte. Polaris mussten ihre gesamte Europatour absagen, da der Lead-Gitarrist Ryan Siew im Alter von nur 26 Jahren verstorben war, wie sich später herausstellen sollte. (R.I.P. Ryan)

Annisokay

Trotz des ständigen Regens und der Absage von Polaris herrschte bei Annisokay auf der Bühne eine motivierte Stimmung. Die Band ließ sich nicht von den widrigen Wetterbedingungen unterkriegen und präsentierte sogar einen brandneuen Song mit dem Titel "Calamity," den sie am gleichen Tag veröffentlichten. Die Fans vor der Bühne feierten die Band trotz des nassen Wetters verdammt enthusiastisch.

Ein positiver neuer Aspekt des Festivals war dieses Jahr die große Videoleinwand, die nicht nur den Headlinern vorbehalten war. Die schnöden Band-Banner gehören damit zumindest auf der Mainstage der Vergangenheit an. Je nach Band wurde die Leinwand unterschiedlich ausgiebig genutzt, von digitalem statischen Banner bis hin zu durchgehender Videobegleitung.

Die Band Caliban gab ihr Bestes, um die Stimmung trotz des Regens aufrechtzuerhalten. Das Gelände wurde jedoch immer matschiger, und die Hoffnung auf eine Regenpause wuchs bei allen. Glücklicherweise steht die Mainstage in Ferropolis auf Asphalt, was zumindest verhinderte, dass die Besucher im Schlamm versanken, aber der Wunsch nach einer Pause von den Regenschauern war dennoch allgegenwärtig.

Mit dem Sonnenuntergang ließ auch der Regen allmählich nach, und die Festivalbesucher konnten endlich etwas aufatmen und ihre Gummistiefel an den Nagel hängen.

Die deutsche Band Mantar trat dann auf der Medusa Stage am See auf und sorgte für gute Stimmung und groovige Vibes. Das Duo, bestehend aus Gitarre und Schlagzeug, stellte sich interessanterweise direkt einander gegenüber, was eine Art "Face Off" zwischen den beiden Instrumenten bedeutete. Songs wie "Hang em low (So the rats can get em)" brachten das Publikum zum Toben.

Jinjer

Auf der Mainstage folgte Jinjer, die eine starken Support für die Ukraine darstellten. Die Band um die talentierte Frontfrau Tetjana beeindruckte mit ihrer Professionalität und erinnert immer mehr an Alissa White-Gluz. Die energiegeladene Performance riss die Zuschauer mit und zeigte, dass Jinjer zu Recht zu den vielversprechenden Bands der Metal-Szene gehörte.

 

Abschließend standen dann die Jungs aus Castrop-Rauxel auf der Bühne und holten alle mit ihrem Tekkno-Train ab. Die Power-Pakete hatten alle denkbaren Highlights mit im Gepäck und ließen keine Wünsche offen. Neben vielen neuen Songs waren auch einige Klassiker dabei und natürlich auch einige Kostümwechsel. Eine fette Party und jede Menge gute Stimmung, so wie es sich für einen Headliner gehört. Zum Abschluss des Abends gab es auch noch ein kleines Feuerwerk.

Electric Callboy

Der zweite Tag begann mit einer angenehmen Überraschung: Sonne satt! Endlich konnten wir die Regenjacken in die Ecke werfen und uns auf einen großartigen Tag voller guter Musik und heißer Riffs freuen.

Die Jungs von The Bronx legten am späten Nachmittag im Hardbowl ordentlich vor. Sänger Matt heizte der kleinen, aber enthusiastischen Fanbase mächtig ein und mischte sich sogar ins Publikum, um die ersten Circle-Pits anzuzetteln. Eine gelungene Show, die Lust auf mehr machte!

The Bronx

Auf der Mainstage rockten anschließend Lionheart, die mit einer soliden Performance überzeugten. Doch dann kam der absolute Abräumer des Nachmittags: While She Sleeps! Die Jungs entfesselten ein wahres Powerhouse auf der Bühne und der Sänger sorgte für jede Menge Action. Nur eine kleine Anmerkung: Netzhemden sollten wirklich niemand tragen, selbst nicht der Frontmann einer Metalcore-Band. Aber nichtsdestotrotz war es eine energiegeladene Show, bei der die Menge komplett ausrastete.

Zwischendurch stärkten wir uns mit leckerem Essen. Die Auswahl war wieder top, von fleischigen Leckereien bis hin zu veganen Köstlichkeiten war für jeden etwas dabei. Nur die Preise fürs Essen sind nicht ganz von der Inflation verschont geblieben. Daran müssen wir uns wohl gewöhnen.

Die Petrol Girls blasen auf der kleinen Backyard Stage ihre politischen Parolen raus und sorgten für eine punkige Atmosphäre. Danach wurde es richtig speziell: Igorrr brachten eine ungewöhnliche Kombination aus Barockmusik und Elektro auf die Bühne. Der Gig begann wie ein elektronisches Feuerwerk und endete mit wuchtigen Gitarren und Schlagzeugbeats. Verrückt, aber definitiv spannend!

Gojira

Das Highlight des Tages war zweifellos Gojira, die als Headliner die Mainstage zum Beben brachten. Die französischen Meister des Metal zeigten, warum sie zu den besten Live-Bands gehören. Die Riffs ballerten, die Double-Bass glühten, und die Pyro-Show war einfach bombastisch. Lediglich der Gesang kam im Soundmix manchmal nicht voll zur Geltung, aber das tat der grandiosen Performance keinen Abbruch.

Der dritte und letzte Tag des Full Force Festivals begann erneut vielversprechend. Skindred brachten vor der Mainstage die Stimmung zum Kochen. Bei den heißen Temperaturen gab es wohl keine bessere Band, um das Publikum in Feierlaune zu versetzen. Songs wie "Nobody" sorgten für eine Mega-Stimmung, und viele trällerten aus voller Kehle mit.

Ein kleiner Geheimtipp des Tages waren Gaera. Die Portugiesen knüppelten ordentlich, Black Metal vom Feinsten. Aber sie hatten definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient! Ganz anders lief es danach auf der Mainstage für Spiritbox, da es nach dem letzten Album einen ordentlichen Hype um die Band gab. Die heiß erwarteten Kanadier enttäuschten nicht. Sie behielten auf der Bühne die richtige Härte und schafften eine gute Balance zwischen ihren härteren und sanfteren Songs.

Im Hardbowl begeisterte uns Defeater mit einer richtig starken Performance. Einige Jahre war es still um diese Band geworden, aber sie haben sich über die stillen Jahre in die Herzen der Hardcore-Fans gespielt. Obwohl sie noch immer viel zu sehr unterschätzt werden, konnten einige Hardcore-Fans die fantastische Performance genießen.

The Halo Effect brachten dann schwedische Frische auf die Bühne und Frontmann Mikael verbreitete unfassbar gute Laune. Die Sonne brachte die Band zwar ins Schwitzen, aber ihrer Energie tat das keinen Abbruch. Ihr Gothenburg-Sound wurde von der Menge gefeiert.

Und dann passierte es, völlig unerwartet: die Erdbeerbowle war aus! Die Veranstalter mussten diese schwere Nachricht am Sonntagnachmittag unter die feierwütige Meute bringen, denn die Erdbeerbowle ist eine Institution in Ferropolis. Zum Glück konnten wir noch rechtzeitig in den Genuss kommen, denn ab jetzt hieß es: warten auf nächstes Jahr.

Landmvrks

Landmvrks sprangen kurzfristig als Ersatz für eine abgesagte Band ein und sorgten für einen gewaltigen Abriss im Hardbowl. Die Franzosen rockten, wie sie es immer tun, und die Menge konnte nicht genug von ihrer Mega-Show bekommen. Ein unaufhaltsamer Strom an Crowdsurfern, so wie bei keiner anderen Band am ganzen Wochenende, hielt die Security-Crew ordentlich auf Trab. Nächstes Mal dürfen sie sicherlich auf der Mainstage stehen!

Dann wurde es mit Meshuggah Zeit für ein echtes Schwergewichte des Abends. Nach einem ganzen Tag voller Party und Sonne wurde die schwedische Band für manchen zur Herausforderung. Trotzdem lieferten sie eine top Performance ab.

Und schließlich der Abschluss des Festivals: Papa Roach. Als bekanntester Headliner des Wochenendes hatten sie ihre beliebtesten Songs im Gepäck, aber auch einige Coversongs, die die Show ein wenig in die Länge zogen. Die Band feierte sich selbst vielleicht ein bisschen zu sehr, aber vor der Mainstage war es dennoch gut gefüllt. Es war aber trotzdem noch genug Platz im hinteren Bereich. Die Show war dennoch eine schöne Gelegenheit, um in Erinnerungen an die Jugend zu schwelgen.

Das Full Force Festival 2023 war ein absoluter Knaller! Über 20.000 Besucher feierten gemeinsam drei Tage lang eine großartige Zeit. Die Mischung aus guter Stimmung, tollen Acts und abwechslungsreichem Essen ließ keine Wünsche offen. Schon jetzt freuen wir uns auf die nächste Runde im Juni 2024 (21.-23.6.). Die Vorfreude ist groß, auch wenn der Internet-Auftritt des Festivals interessanterweise einen neuen, etwas mainstreamigeren Look hat. Mal sehen, ob sich das auch auf das Line-Up auswirkt. Die Tickets sind jedenfalls schon verfügbar - für knapp 150€ kann man sich das nächste Rockspektakel sichern! Wir freuen uns auf nächstes Jahr!

- cd