Nachbericht Rockharz 2011

Nach 365 Tagen des ungeduldigen Wartens war es am 07. Juli endlich wieder so weit: das Rockharz in Ballenstedt öffnete sein Pforten und bereits ab Mittwoch strömten die ersten Besucher auf das Festivalgelände.

Während im letzten Jahr überall auf dem Camping-Platz Ordner bereitstanden, die darauf achteten, dass sich die Besucher nicht allzu stark ausbreiteten, wurde auf diese 2011 wieder verzichtet. Das Campinggelände ist aber soweit vergrößert worden, dass dies auch gar nicht mehr notwendig war, und selbst am Donnerstagnachmittag war es so noch möglich, einen Platz in den vorderen Reihen zu ergattern. Wie im letzten Jahr gab es am Camping-Gelände an sich nicht viel zu meckern. Man rückte sich nicht allzu sehr auf die Pelle, überall standen genügend Dixies – zumindest in unserer Nähe. Außerdem gab es 2011 das erste Mal auf dem Rockharz in Ballenstedt Spültoiletten. Wie jedes Jahr fand ich auch diesmal wieder die Frühstückswagen, die auf dem Campinggelände verteilt waren, sehr positiv. Das Duschcamp ist außerdem vergrößert worden, was dennoch nicht verhindern konnte, dass an den Vormittagen die Schlangen der Duschwilligen stark anwuchsen.

Die Anfahrt auf den Campingplatz war meiner Meinung gut organisiert- wir wurden nur kurz auf Glas durchsucht. Ein freundlicher Ordner machte uns darauf aufmerksam, dass auf dem neu hinzugekommenen Gelände direkt hinter der Bühne noch genügend Platz frei war und so konnten wir immer schnell auf dem Festivalgelände sein. Nachdem Zelt und Pavillon standen machten wir uns auf, um den Campingplatz zu erkunden und wie immer ließen sich die Festivalbesucher einiges einfallen, um keine Langeweile aufkommen zu lassen wie zum Beispiel eine „Slow-Motion-Area“. Wie auf jeden Festival fand ich es auch interessant, was die Leute so alles mitschleppen und ihr Lager sogar mit Kühlschränken und Riesenventilatoren samt dazugehörigen Generatoren ausstatten.

Nachmittags hieß es dann erst Mal, das Festivalgeländer zu erkunden. Es gab wie immer ein reichhaltiges Angebot an Non-Food-Ständen zu –  für Festivals – vertretbaren Preisen. Auch die Auswahl an Verkaufsständen war wie immer sehr groß und wer sich mit CDs  und T-Shirts ein decken wollte, hat mit Sicherheit etwas gefunden.

Bereits am Mittwoch wurde in einer Art Vorab-Party im Partyzelt mit Bands wie The Atmosfear, Dampfmaschine oder Fear oft the Dawn musikalisch einiges geboten.
Musikalisch gesehen begann das diesjährige Rockharz für uns am Donnerstag  mit der Hannoveraner Trash-Metal Band Cripper. Sängerin Britta Görtz überzeugte mit ihrer beeindruckenden Stimme und obwohl die Band relativ früh auftrat, hatte sich dennoch eine beachtliche Anzahl von Festivalbesuchern vor der Bühne versammelt, was mit Sicherheit auch damit zusammenhing, dass die Rockharz-Homepage kräftig Werbung gemacht hatte und so die Neugier vieler geweckt hatte.

Die Melodic-Death-Metaller Nearea überzeugten wie immer durch ihre kraftvolle Show. Sänger Benny Hilleke konnte kaum stillstehen und auch das Publikum war ordentlich in Bewegung.

Der Auftritt von Stratovarios kam gut beim Publikum an. Ich persönlich fand ihn etwas zu durchgestylt und auf Perfektion angelegt, aber ob das gut oder schlecht ist, darüber kann man sich streiten. Die Festival-Besucher schienen auf jeden Fall – gemessen an der Masse von Zuschauern – sehr begeistert zu sein und deswegen will auch ich nicht groß rummeckern.

Mein persönliches Highlight war der Auftritt von Hypocrisy. Nachdem es im letzten Jahr nicht geklappt hatte, hatten sich Peter Tägtgren und seine Mannen sofort bereit erklärt, ihn in diesem Jahr nachzuholen. Der Platz vor der Bühne war gut gefüllt und der guten Stimmung konnte selbst der allmählich einsetzende Regen nichts anhaben. Ob Hypocrisy der bessere Headliner gewesen wären als Frei.wild, darüber lässt sich streiten – meiner Meinung nach hätten die Schweden eindeutig die besseren Headliner-Qualitäten gehabt, aber das Rockharz zeichnet sich nun mal gerade dadurch aus, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist und jeder auf seine Kosten kommen soll.

Über den Auftritt von Frei.Wild kann ich nicht viel sagen. Auch hier war der Platz proppevoll und trotz des doch mittlerweile recht starken Regens schienen die Frei.Wild-Fans sehr begeistert zu sein. Wir für unseren Fall haben uns nach einer kurzen Platzvisite sofort wieder ins Trockene verzogen.

Bei Amorphis – Asche auf unser Haupt – mussten wir dann doch vor den Wassermassen kapitulieren. Vielleicht lässt es sich einrichten, im Winter über das ein oder andere Amorphis-Konzert auf unserer Homepage zu berichten.

Der Freitag begann recht trüb und stürmisch und so wurden wir zu früher Stunde aus dem Zelt gejagt, um dieses und den Pavillon zum Schutz noch einmal gründlich abzuspannen. Die Festivalorganisatoren haben glücklicherweise gut reagiert und an den notwendigen Stellen den Boden mit Holzspänen vor dem Durchweichen geschützt. Auch das Bühnendach wurde zwischenzeitlich noch einmal gründlich abgesichert, sodass auch wirklich nichts schiefgehen konnte. Nach dem obligatorischen Gang auf den Teufelsberg kam auch der Kreislauf endlich wieder in Schwung und so konnte es weitergehen. Im Laufe des Tages besserte sich das Wetter wieder erheblich und damit auch die Laune der Festivalbesucher.

Die erste Band des Tages, der wir beiwohnten, Hackneyed, überraschten dadurch, dass es sich doch um eine recht junge Band handelte. Gegründet 2006 konnten sie bei Auftritten mit Debauchery, End of Green und Fear my Thoughts schon einiges an Bühnenerfahrung sammeln und so meisterten sie souverän ihren Auftritt. Vor allem Bassistin Tini war ein beliebtes Motiv der Fotografen.

Die wirklich harten We butter the bread with butter-Fans waren schon von weitem an ihren grellen Shirts zu erkennen. Die Band aus Lübben, die sich vor allem durch die Neuvertonung bekannter deutscher Kindellieder einen Namen gemacht hatte, erfuhr publikumstechnisch einiges an Zulauf. Ebenso wie wir waren wohl auch viele andere Besucher neugierig, wie sich die Band, die ihren Anfang als Zwei-Mann-Projekt genommen hatte, auf der Bühne schlug und man muss sagen, sie machten dies recht gut und konnten für Stimmung sorgen.

Was ich doch etwas ärgerlich fand, war die Tatsache, dass Caliban aus irgendeinem Grund wohl eher aufgehört haben und wir so – da wir, nachdem wir den Anfang verpasst hatten, uns zumindest die letzten Lieder noch anhören wollten –  den Auftritt komplett verpassten.

Beim Auftritt von End of Green war vor allem das stark geschminkte, weibliche Publikum stark vertreten. Ich würde den Auftritt als solide bezeichnen. Von Sänger Michael Hubers Stimme war ich recht begeistert, die Tatsache, dass er fast während des Auftritts nur wie ans Mikro genagelt da stand und sich kaum bewegte, wirkte teilweise etwas befremdlich. Aber zu Liedern, in denen es textlich vornehmlich um Schmerz, Einsamkeit, Depressionen und Tod geht, wäre Rumgehopse vielleicht auch nicht angebracht gewesen. Dafür war der Rest der Truppe umso mehr in Bewegung und den meisten Besuchern vor der Bühne, schien der Auftritt gefallen zu haben.

Fröhliches Gehopse und einige akrobatische Einlagen von Sänger Alea der Bescheidene gab es dagegen bei Saltatio Mortis. Mit ihrem Mittelalter-Rock gemäß ihrem Motto „Wer tanzt, stirbt nicht“ sorgte die Band für gute Laune bei den Festival-Besuchern.

Auf Tarja haben sich wohl viele der Rockharz-Besucher gefreut und sie wurden meiner Ansicht nach nicht enttäuscht. Sängerin Tarja Turunen war gut drauf und zeigte vollen Einsatz. Dabei kam sie absolut sympathisch rüber.

Wie bei vielen anderen Bands war auch beim Auftritt von Hammerfall der Crowd-Surf-Verkehr vor der Bühne recht hoch, sodass die vorderen Reihen recht viel zu tun hatten. Die meisten ließen sich davon aber nicht stören und genossen den super Auftritt der Band. Hammerfall-Fans sind hier auf jeden Fall auf ihre Kosten gekommen. Das Highlight des Abends: „Harz on fire“…

Auch bei Eisregen, die nun doch zu recht später Stunde auf die Bühne kamen, hielten die Rockharz-Besucher wacker durch. Sänger Roth sorgte wie immer mit seiner eindringlichen Stimme für eine recht makabre Atmosphäre – manch zartem Seelchen wird das Einschlafen nach diesem Auftritt wohl etwas schwer gefallen sein.

Vor Müdigkeit konnte ich mich zwar kaum noch auf den Beinen halten – so’n Tag in der Sonne mit viel Bier geht doch ziemlich an die Substanz – aber den Auftritt von Fiddlers Green wollte ich dann doch nicht verpassen. Trotz der vorgerückten Stunde rüttelten die Erlangener die Rockharz-Besucher nochmal kräftig wach und so neigte sich auch der 2. Festivaltag dem Ende entgegen.

Am letzten Festivaltag knallte die Sonne erbarmungslos auf das Festivalgelände  und so war es nicht verwunderlich, dass man vor der Bühne doch auf den ein oder anderen Sonnengeschädigten traf. Auf dem Campingplatz schlichen viele lustlos herum, aber das änderte sich im Laufe des Tages. Trotz der drückenden Hitze versammelten sich schon am Nachmittag die Festivalbesucher in Scharen vor der Bühne. Auch im Umgang mit der Hitze kann man die Festivalleitung nur loben. So sorgte die Feuerwehr vor dem Auftritt von TYR nicht nur für Abkühlung, sondern auch für Unterhaltung - Was dringend notwendig war, denn TYR kamen erst mit 20-minütiger Verspätung auf die Bühne. Trotz der krassen Verspätung harrte das Publikum weiter aus, war allerdings von Verspätung der Band sehr enttäuscht.

Auch wenn die Festivalbesucher sich nicht gerade scharenweise vor der Bühne versammelt hatten, konnte die ungarische Band Ektomorf dennoch für gute Stimmung sorgen. Die nachgesagte Ähnlichkeit zu Soulfly kann ich nur bestätigen, aber das soll ja kein Nachteil sein.

Beim Auftritt der Finnen von Turisas wird manch einer ein Deja-vu-Erlebnis gehabt haben, standen doch letztes Jahr auf der gleichen Bühne die Mitglieder von Varg mit einer ebenso schönen roten Bemalung (damals hatte die Bühnencrew aber einige Probleme mehr, die Sauerei danach wieder wegzubekommen). Nachdem wir die Band schon Anfang des Jahres im Vorprogramm von den Apokalyptischen Reitern gesehen hatte muss ich sagen, dass sie zwar musikalisch gesehen nicht meinen Geschmack treffen, dennoch sorgen sie immer wieder für gute Stimmung und heizen das Publikum mächtig an. Mein besonderes Lob geht an Netta Skog am Akkordeon, die trotz des schweren und sperrigen Dings in der Lage war, bei jedem Song munter mitzuhopsen.

Der Auftritt von Letzte Instanz hat mich persönlich nicht wirklich vom Hocker gehauen, obwohl ich mich wirklich auf die Dresdener gefreut hatte. Abgesehen von „Rapunzel“ hat es keiner der wirklich guten älteren Titel aus den Zeiten vor Holly D. auf die Playlist geschafft – gut, das war zu erwarten gewesen und man konnte es in den letzten Jahren nachverfolgen, wie sich der Stil der Band an den neuen Sänger anpasste. Für Fans der ersten Stunde kann dies aber auch recht enttäuschend sein. Trotzdem war vor der Bühne viel los, zahlreiche Fans sind herbeigeströmt, die Stimmung war gut und der Auftritt war dennoch eine runde Sache.

J.B.O., die ja schon für ihre pinkfarbenen Lautsprecherboxen bekannt waren, setzten auf dem Rockharz noch eins drauf und erschienen komplett in geradezu augenkrebserregenden pinkfarbenen Outfits. Da ich mich u.a. auf diesen Auftritt besonders gefreut hatte, waren meine Erwartungen dementsprechend groß. Die Erlangener haben mich und ich denke auch den Rest des zahlreich erschienenen Publikums nicht enttäuscht. Klar, einige der Späße der Jungs sind so alt, dass sie schon einen Bart haben, aber sie bringen mich dennoch immer wieder aufs Neue zum Lachen.

U.D.O, den man geradezu als ein Metalurgestein bezeichnen könnte, gibt es sie denn schon seit 1987, nachdem sich Sänger Udo Dirkschneider von Accept getrennt hatte, war für uns die vorletzte Band eines tollen Festivalwochenendes. Da wir nach den ersten drei Liedern abgehauen sind, kann ich zu dem Auftritt nicht so viel sagen. Aber auch hier war einiges vor der Bühne los und die Stimmung war gut.

Bei In Extremo wurde es heiß: Nicht nur die Securitys hatten mit den Feuereffekten zu kämpfen, sondern auch den ersten Reihen wurde mächtig Feuer unter dem Hintern gemacht. Die Feuershow war absolut spektakulär und die Berliner bildeten einen guten Abschluss eines tollen Festivals – einziger Wehrmutstropfen: trotz mehrmaliger Aufforderungen der Fans fehlte „Spielmannsfluch“.

Abschließend kann ich nur sagen, dass das diesjährige Rockharz wieder einmal durch und durch gelungenen war. Ich wüsste nicht worüber ich mich beschweren sollte. Ich hatte viel Spaß, hab tolle Leute kennengelernt, super Bands gesehen – was will man mehr? Ich freu mich jetzt schon wie Bolle auf das nächste Jahr, das mit Sicherheit wieder genauso gut sein wird. Damit ein großes Lob an die Festivalorganisatoren! fe