Nachbericht Rockharz 2013

Dieses Jahr ging es für uns direkt vom Nordseeurlaub zum Rockharz in Ballenstedt. Da wir erst Donnerstagnachmittag anreisen konnten, blieben uns lange Warteschlangen vor dem Festivalgelände erspart. Ein Nachteil hatte die "späte Anreise": Der mittlerweile größentechnisch doch sehr gewachsene Campingplatz war schon sehr gut gefüllt.

Denn dieses Jahr haben sich die Veranstalter mächtig ins Zeug gelegt und schon Mittwoch mit Megaherz und Nachtgeschrei einen Anreiz für eine frühere Anreise geschaffen. Grund dafür war natürlich das 20-jährige Bestehen, dass es dieses Jahr zu feiern galt. Zum Glück fanden wir nach einigem Suchen bei alten Bekannten noch ein Eckchen in der Nähe des Eingangs, wo wir uns reinquetschen konnten. Damit stand einem feucht-fröhlichen Wochenende nichts mehr im Wege. Trotzdem waren wir schon sehr überrascht, wie groß das Rockharz inzwischen geworden ist. Vor allem die Gemütlichkeit und die im Vergleich zu anderen großen Festivals doch sehr kompakte Größe war für uns etwas, was das Rockharz ausmacht. Wir sind gespannt – und vielleicht auch etwas angespannt – wie sich das in den nächsten Jahren weiterentwickelt.

Donnerstag

Natürlich mussten wir uns wie immer am ersten Tag ein bisschen orientieren und erst einmal erkunden, was sich im Vergleich zum letzten Jahr geändert hat. Aber abgesehen davon, dass der Tabak-Werbestand auf die andere Seite direkt in die Nähe des Eingangs befördert worden war, ist alles soweit beim alten geblieben: Der Ficken-Stand direkt beim Einlass, diverse Stände, die einen mit CD's, Shirts uvm. versorgen, und natürlich eine ganze Reihe Stände mit kulinarischen Leckereien – alles schon aus den vorhergehenden Jahren bekannt. Eine Neuerung gab es aber doch, die uns ganz besonders erfreut hat: der Nohra-Hähnchenstand. Ein Stück Heimat für uns Festivalreporter und uns schon von anderen Festivals gut bekannt. Unter dem Motto „Brathahn statt Satan“ wurden hier die in unseren Augen leckersten Hähnchen angeboten, die wir je gegessen haben. Mir läuft direkt wieder das Wasser im Mund zusammen, wenn ich nur daran denke... Zum Durstlöschen gab es dieses Jahr frisch gezapftes Hasseröder. Die Entwicklung des Bierpreises bzw. das fortschreitende Schrumpfen der Bechergröße ist dann doch aber eine Sache, die uns allmählich Sorgen macht. 0,3l Gerstensaft für 2,50€ ist gerade noch hinnehmbar. Bleibt zu hoffen, dass sich das in den nächsten Jahren nicht noch mehr ändert.

Aber nun zum musikalischen Teil. Nachdem wir den Nachmittag zum Orientieren gebraucht haben, ging es nun gegen Abend Richtung Bühne, wo wir unsere erste Bands des Festivals angucken wollten: die Jungs/Männern der polnischen Band Vader, regelrechte Metalveteranen, die einiges an Bühnenerfahrung angesammelt haben. Bereits 1983 gegründet lässt sich ihre Musik als Mischung aus Slayer und Morbid Angel beschreiben. Auch wenn die Polen sich alle Mühe gaben, eine gewohnt gute Show abzuliefern, mangelte es aufgrund von Sound-Problemen etwas an Wucht. Außerdem hätte man die Band wohl lieber später spielen lassen sollen, da sich erst im Dunkeln die passende Atmosphäre entwickelt hätte.

Nach Vader nahmen die Jungs von Unearth die Bühne in Beschlag. Die Amerikaner, die für ihre Kombination von amerikanischen Metalcore und melodischen Death Metal bekannt sind, brachten die Menge vor der Bühne richtig in Stimmung. Der Moshpit, der sich bei dieser Band vor der Bühne bildete, war wahrlich kein Ponyhof und nicht wenige sind da nur blutend wieder herausgekommen. Auch auf der Bühne gaben die Amis alles und sprangen nur so über die Bühne.

Im Anschluß gab es mit Mono Inc. ein krasses Kontrastprogramm. Die Hamburger gaben wie immer ihr Bestes auf der Bühne und versuchten gute Stimmung zu verbreiten. Vor allem Drummerin Katha Mia war ein kleiner Augenschmaus. Trotzdem konnten sie die Stimmung nicht mehr so anheben wie Unearth davor. Einige wenige ließen sich dennoch spätestens beim Hit "Voices of Doom" zum Tanzen hinreißen.

Besonders gespannt waren wir auf den Auftritt des Devin Townsend Project, da sie live bei uns in Deutschland nicht gerade häufig anzutreffen sind.Die Show stand wohl unter dem Motto "Gesichtsfasching" J. Sänger Devin Townsend, bekannt durch Strapping Young Lad legte sich richtig ins Zeug um den Inhalt seiner Songs mimisch zu untermalen, was zeitweise doch recht komisch aussah. Obwohl die Band musikalisch was drauf hatte, drängte sich mir aber der Eindruck auf, dass viele nicht wirklich etwas damit anzufangen wussten. Und auch wir sind zu der Einschätzung gekommen, dass die meistens Songs wohl auf dem heimischen CD-Player mehr Wirkung entfalten können. Natürlich muss man der Band aber noch dafür Respekt zollen, dass sie sich durch den Ausfall ihres Gitarristen nicht einschüchtern ließen.

Freitag

Der Freitag begann wieder mit strahlenden Sonnenschein. Der Wettergott meinte es diesmal das komplette Wochenende wirklich gut mit den Besuchern des Rockharz. Durch das durchweg sonnige Wetter wurde allerdings der Bühnenbereich zur Staubhölle. Da hätte man öfter mal etwas Wasser verspritzen können. Auch wenn man bei der Wärme lieber mit einem kühlen Bier im Campingstuhl liegen bleiben möchte, hieß es spätestens 14:00 Uhr sich endlich vor zur Bühne zu bewegen. Denn die Excrementory - Excrementory - Excrementory...Grindfuckers standen nun an!! Egal wann diese Band spielt - selbst wenn man sie morgens um 8 spielen lassen würde - wirklich immer erscheinen die Fans zahlreich und gut geBIERT, um mit ihnen zu feiern. Und es hat sich wie immer gelohnt. Die Band ging ab wie Schmitz Katze - vor allem Bandmitglied Mike hüpfte sich die Seele aus dem Leib. 

Danach ging es weniger lustig und auch mit etwas weniger Publikum weiter. Melechesh stürmten die Bühne. Wie immer kamen die beiden Gitarristen der israelischen Band zu Beginn ihres Auftritts vermummt auf die Bühne. Ganz schön mutig bei der Affenhitze. Aber die Jungs sind aus ihrem Heimatland vermutlich andere Temperaturen gewohnt. Trotzdem entledigten sie sich dann doch schnell ihrer Kutten. Mit ihrem Blackmetal untersetzt mit orientalischen Elementen konnten sie das Publikum begeistern.

Auch bei den Portugiesen von Moonspell ging es am Abend leicht kostümiert weiter. Sänger Fernando Ribeiro erschien mit Helm auf der Bühne – ein bisschen Theatralik muss sein. Die Jungs lieferten mit ihrer zwanzigjährigen Bühnenerfahrung wie immer einen soliden Auftritt ab. Neben neuen Stücken wie „Axis Mundi“ durften dabei natürlich auch Klassiker wie „Opium“ und „Alma Mater“ nicht fehlen.  

Besonders gefreut haben wir uns auch auf die Jungs von Dark Tranquility und wurden keineswegs enttäuscht. Sänger Mikael Stanne hatte richtig Spaß auf der Bühne und schaffte es, das Publikum mitzureißen. Den fehlenden Bass vermisste man auch nicht wirklich. Zu Hits wie "Final Resistance", "Misery's Crown" und "Thereln" ging das Publikum ab.

Im klassischen weiß-blauen Look betraten nun Iced Earth die Bühne. Deren musikalische Darbietung war wieder einmal der Hammer. Vor dem zahlreich erschienenen Publikum lieferten die US-Amerikaner einen bombastischen Auftritt ab.

Es gehörte schon etwas Disziplin dazu sich nachts um zwölf noch einmal aus dem bequemen Campingstuhl zu hieven und vor zu Soulfly zu schlürfen. Aber was tut man nicht alles, um die Brasilianer mal wieder live erleben zu können. Und auch hier wurden wir nicht enttäuscht. Die Jungs drehten noch einmal richtig auf und lieferten eine auch soundtechnisch tolle Show ab. Das Publikum feierte die Band mit einigen Moshpits richtig ab. Es fiel auch echt schwer, die Füße still zu halten, besonders beim allen bekannten Sepultura-Song "Roots Bloody Roots". Somit neigte sich ein weiterer gelungener Festivaltag dem Ende entgegen. 

Samstag

Am Samstag hieß es dann, sich pünktlich für Akrea aus dem Bett zu quälen. Aber für die Jungs aus der Oberpfalz tut man das doch gerne. Als wir auf dem Festivalgelände ankamen, merkten wir schnell, dass wir nicht die einzigen waren, denen die Band das "frühe" Aufstehen wert war. Der Platz vor der Bühne war gut gefüllt. Sowohl Band als auch Fans waren bestens gelaunt. Vor allem Sänger Sebastian Panzer mit seinem sympathischen Akzent schaffte es, auch dem Letzten die Müdigkeit aus den Augen zu treiben. Selbst eine Wall of Death konnte der Sänger aus dem Publikum herauskitzeln. Außerdem gab es eine kleine Kostprobe auf das bald erscheinende Album der Band. Ein wirklich guter Start in den Tag!!

Der Samstag war und blieb auch am Abend sehr bierreich: Tankard hoben den Pegel noch einmal an. Für uns war es mittlerweile das vierte Mal, dass wir die Frankfurter auf einem Festival live erleben durften und es ist immer wieder ein Spaß. Faszinierend ist es auch an Sänger Gerrre den Jojo-Effekt quasi live zu erleben. Schade war allerdings, dass der Veranstalter der Forderung "Wenn der Veranstalter nicht binnen fünf Minuten Freibier für alle ausgibt, gibt's vom Bassisten Krawalle" leider nicht kam. So mussten wir uns unser Bier weiterhin selbst kaufen. Dennoch ein toller Auftritt

Der Tag stand ganz und gar im Zeichen des Spaßes: J.B.O. enterten gegen halb 8 die Bühne, wie immer ganz in rosa (wie immer taten einem die Bühnenoutfits in den Augen weh). Wie auch beim letzten Auftritt der Erlanger auf dem Rockharz war ich neidisch auf ihre Bierhalter an den Mikrofonständern. Hits wie „Geh mer halt zu Slayer“ und „Ein guter Tag zum Sterben“ dürfen natürlich nicht fehlen. Unser Highlight hier war das „Medtl Gschdanzl“ mit neuen  Strophen. Beispiel gefällig? „Die Buam von Freiwild san koane Nazis. ja das glaum mer ihnen schon, aber Musiker sans a net, weil koaner von ihnen spuiln kann.“

Danach kamen Eisbrecher auf die Bühne, für uns die letzte Band des diesjährigen Open Air. Danach ging es wieder zurück in die Heimat. Auch wenn wir bestimmt nicht die einzigen waren, die der Band ein bisschen skeptisch gegenüber stehen, waren die Fans zahlreich erschienen. Frontmann Alexx Wesselsky zeigte vollen Einsatz, um das Publikum wie gewohnt mit seinem Charme zu betören, wofür sich das Publikum mit entsprechenden Applaus bedankte.

Alles in allem war es für uns und bestimmt auch alle anderen Festivalbesucher mal wieder ein absolut geiles Rockharz Open Air. Vom Jubiläum hat man zwar direkt vor Ort meiner Meinung nach nicht mehr viel gemerkt, aber das war nicht so schlimm. Wir hatten wie immer unseren Spaß mit tollen Leuten und freuen uns schon wieder wie verrückt auf das nächste Jahr! Hoffentlich geht die Zeit bis dahin so schnell wie möglich rum!

FE