Nachbericht Rockharz 2012

Am zweiten Juli-Wochenende war es endlich wieder soweit: das Rockharz-Festival stand vor der Tür. Mittlerweile zum 4. Mal sind wir auf dem Flugplatz in Ballenstedt dabei und es wird mit Sicherheit auch nicht unser letztes Rockharz gewesen sein. Nachdem es bei dem Festival 2010 und 2011 extrem heiß war, war uns der Wettergott in diesem Jahr nicht ganz so wohl gesonnen. Pünktlich zum Aufbau begann es in Strömen zu regnen und es stürmte dazu kräftig. Da hieß es erst einmal mit vereinten Kräften den Pavillon festzuhalten – mit dem obligatorischen Aufbaubier in der anderen Hand. Und so launisch wie zu Beginn des Festivals sollte das Wetter auch das ganze übrige Wochenende bleiben.


Nachdem Pavillon und Zelte gesichert waren und das Wetter sich wieder etwas beruhigt hatte, gingen wir los, um das Festivalgelände etwas zu erkunden. Dort hat sich nicht viel verändert. Neu ist aber das vergrößerte Duschcamp inklusive Spültoiletten. Wie auch in den Vorjahren gab es viele Stände zum Stöbern nach Cd’s, Patches und allem anderen was das Metalerherz begehrt. Auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt. Die Bierpreise wurden im Vergleich zum letzten Jahr zum Glück nicht übermäßig angezogen, ein 0,3er Hasseröder kostete 2 Euro.

Als erste Band sahen wir Red Fang. Die Band aus Portland, Oregon, konnte bereits am Nachmittag durch ihren American Stoner Rock die Rockharz-Besucher begeistern. Auch die deutsche Melodic-Death-Metalband Night in Gales, die danach spielten, lieferten einen soliden Auftritt ab.

Die Jungs von Emil Bulls mussten unter erschwerten Bedingungen antreten. Basser Jamie konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. Dennoch haben die Münchner nicht auf ihren Auftritt verzichtet und sich flugs einen Ersatzbassisten organisiert. Mit ihrer Mischung aus Crossover und Nu Metal können sie zwar nicht so viele Zuschauer anziehen wie zuvor die Mittelalter-Band Tanzwut, dennoch geben sie sich alle Mühe, das Publikum zu begeistern.

Peter Tägtgren schien es im letzten Jahr bei seinem Rockharz-Auftritt mit Hypocrisy so gut gefallen zu haben, dass er dieses Jahr Ballenstedt mit seinem anderen Projekt, Pain, einen Besuch abstattete.  Die Schweden ließen ganz schön auf sich warten, aber ein Peter Tägtgren scheint sich das leisten zu können, denn die Fans harrten trotz 10-minutiger Verspätung geduldig vor der Bühne aus. Der Sound minderte den Genuss etwas, besserte sich aber nach dem dritten Lied. Die Fans ließen sich auch davon nicht beirren und feierten die Schweden gebürtig.

Danach enterten die Jungs von Oomph! die Bühne. Was soll man zu Oomph! sagen… Nach ihrem großen Charterfolgen von vor ein paar Jahren scheinen die Jungs wieder auf dem Boden angekommen zu sein. Es versammelte sich doch eine recht ansehnliche Masse an Fans vor der Bühne. Die Zwangsjacken aus früheren Zeiten haben die Braunschweiger diesmal gegen Matrosen-Outfits getauscht. Auch wenn die Band nicht jedermanns Geschmack ist, so haben sie doch einen ordentlichen Auftritt abgeliefert. Die Leute vor der Bühne gingen auf jeden Fall richtig ab.

Sehr gespannt war ich auf Sepultura, die schon im letzten Jahr auf dem Rockharz auftreten sollten, kurzfristig aber wieder absagen mussten. Man hört ja immer wieder kritische Stimmen, die sagen, dass die Band nach dem Weggang von Sänger Max Cavalera 1996 an frühere Erfolge nicht mehr anknüpfen kann. Die Brasilianer bewiesen aber das genaue Gegenteil und hauten dem Publikums sämtliche Hits um die Ohren. Gitarrist Andreas Kisser hatte sich zudem mit seinem jungen Sohn Johann für einen Song Unterstützung mit rangeholt.

Als vorletzte Band des Abends enterten die Jungs der Hardcore-Legende Hatebreed die Bühne. Diesen Auftritt wollten sich viele nicht entgehen lassen und dementsprechend voll war es auch vor der Bühne. Die Band legte eigentlich einen guten Auftritt hin bis plötzlich der Strom auf der Rock Stage ausfiel und die Show erst nach einer halbstündigen Pause wieder fortgesetzt werden konnten. Trotz der Unterbrechung war der Großteil der Fans wieder mit am Start, um den großartigen Auftritt zu feiern. Damit näherte sich der erste Festival-Tag seinem Ende entgegen.

Der Freitag war wie der Tag zuvor extrem windig und wie sich im weiteren Verlaufen zeigte ein guter Tag zum Drachensteigen lassen (was man nicht so alles in seinem Kofferraum finden kannJ). Aber vor lauter Drachensteigen haben wir natürlich nicht das Wesentliche vergessen: die Musik.  Musikalisch begann für uns der Freitag mit der deutschen Band Desperadoz, von der wir leider nur die letzten Lieder mitbekommen haben . Die Band rund um Onkel-Tom-Gitarrist Alexander Kraft versuchte durch einen Mix aus Metal und Countrymusik – gelegentlich auch als Westernmetal tituliert – zu überzeugen, was sie auch ganz gut hinbekamen. Sie verbreiteten einiges an guter Laune.

Danach folgte die Band, wegen der wir uns eigentlich Richtung Bühne aufgemacht hatten: die Dark-Metal-Band Before the Dawn. Die Finnen schaffen es das Publikum mit einem guten Mix aus alten Hits wie „Unbreakable“ und neuen Liedern ihres derzeitigen Albums „Rise Of he Phoenix“ zu begeistern. Insgesamt ein energiegeladener Auftritt, der viele zum Moshen animierte, dass die Haare nur so flogen.

Besonders gefreut habe ich mich auf die Iren von Primordial. Der unglaublich charismatische Sänger Alan „Nemtheanga“ Averill tritt in seiner typischen Bemalung auf und versucht das Publikum von Anfang an zum Mitmachen zu animieren. Immer wieder pickt er sich jemanden aus dem Publikum heraus, dem er einen böse, stierenden Blick zu wirft, als ob er sagen wollte: „Hey, hier vorne spielt die Musik! Mach mit!“   Die Band liefert einen, wie ich finde, grandiosen Auftritt ab, aber anders bin ich es von ihnen auch nicht gewohnt.

Etwas Bauchschmerzen im Vorfeld ihres Auftritts bereiten mir immer wieder die Jungs von Paradise Lost, die ich zwar rein musikalisch gesehen richtig ins Herz geschlossen habe, live der Funke aber noch nicht so richtig überspringen konnte. Sie sind nicht wirklich für besonders dynamische Auftritte bekannt und spielen ihre Lieder meist einfach nur routiniert runter, was auch diesmal wieder der Fall ist. Die ersten Reihen sind absolut begeistert und gehen voll mit während die hinteren Reihen deutlich zurückhaltender sind.

Die Show von ASP wird von Jahr zu Jahr professioneller und durchgestylter, was man – wie ich finde – auch durchaus etwas kritisch sehen kann, da die Gothrocker es immer für sich in Anspruch nehmen, dass es auf das Äußere eigentlich gar nicht so sehr ankommt. Aber letztendlich versuchen sie schließlich auch nur, ihren Fans etwas zu bieten. Über Lasershow bis hin zu Kunstschnee bei „Und wir tanzten (ungeschickte Liebesbriefe)“ ist alles mit dabei. Sänger Alexander Spreng versuchte das Publikum mit seinen gewohnten, einstudierten Posen zu beeindrucken. Die Band konnte ein ganz schön beachtliches Publikum anziehen, das sich, wie schon bei dem letzten Auftritt der Frankfurter auf dem Rockharz, stimmungsmäßig richtig mitreißen ließ. Gespielt wurde eine Mischung aus alten und neuen Liedern, die entsprechend gut ankam.

Man hatte den Eindruck, dass sich fast das gesamte Rockharz zum Auftritt von Blind Guardian vor der Bühne versammelt hatte. Kein Wunder, sind die Jungs doch seit 25 Jahren dick im Geschäft und können immer wieder mit ihren Alben begeistern. Auch diesmal schaffen sie es wieder, das Publikum mitzureißen. Die Setlist orientiert sich vor allem an den guten alten Klassikern wie „Valhalla“, „Mirror Mirror“ und dem traditionell vom Publikum gesungenen „The Bard’s Song“.

Besonders gespannt war ich auf den Auftritt der Deathstars, die ich seit Jahren schon einmal live sehen wollte. Zur Zeit machen sie sich vor allem einem Namen im Vorprogramm der Rammstein-Tour. Wie bei Hatebreed am Vortag gab es auch heute wieder technische Probleme und der zweite Song musste nach einer kurzen Pause noch einmal von vorne begonnen werden. Ansonsten verlief der Auftritt aber reibungslos. Der Funke sprang auf die doch trotz vorgerückter Stunde recht ansehnliche Anzahl von Fans über, was nicht zuletzt auch am charismatischen Sänger Whiplasher lag.


Den Samstag eröffneten Chthonic, eine taiwanische Black-Metal-Gruppe, die uns vor dem Rockharz vollkommen unbekannt waren. Am Freitag hatten wir zwei Bandmitglieder zufällig kennengelernt. Wir nahmen uns darum vor, bereits kurz nach um 11 an der Bühne zu sein. Optisch und musikalisch war die Band absolut sehenswert und die Jungs und Mädels können sich auch in Zukunft öfter mal auf deutschen Festivals sehen lassen.

Die deutsche Melodic-Death-Metal-Band Deadlock, deren Mitglieder aus Regensburg, Jena und Berlin stammen, zogen mächtig Publikum an, welches sie nicht enttäuschten. Die Band hebt sich von anderen Bands ab durch den beständigen Wechsel zwischen harten Growls des Sängers Johannes Prem und den melodischen Hooklines der Sängerin Sabine Scherer. Trotz des einsetzenden Regens harrten viele vor der Bühne aus, um sich diesen großartigen Auftritt anzusehen.

Einen fast perfekten und routinierten Auftritt lieferten die Mailänder/innen um Lacuna Coil. Cristina Scabbia versteht es, mit ihrer eindrucksvollen Stimme die Fans in ihren Bann zu ziehen. Die Playlist konzentrierte sich vorwiegend auf das neue Album „Dark Adrenaline“.

Absolut überzeugend waren wie immer Arch Enemy. Angela Gossow stellt mit ihren kraftvollen und so gar nicht mädchenhaften Growls manch männlichen Mitstreiter in den Schatten und fürs männliche Auge hat sie immer was zu bieten. Schön, dass den Männern mal gezeigt wird, wo der Hammer hängt. Die Playlist bot einen ausgewogenen Wechsel zwischen alten und neuen Songs, sodass so ziemlich jeder zufrieden gestellt werden konnte.

Und schließlich folgte der letzte Headliner des diesjährigen Rockharz-Festivals: Amon Amarth. Die Jungs um Sänger Johann Hegg heizten den Fans mit ihrer Pyroshow – die einzige, die es an diesem Festival-Wochenende zu bewundern gab – mächtig ein. Zu hören gab es neben den neueren Hammer-Liedern wie zum Beispiel „Twilight of the Thunder God“ auch ältere wie „Death in Fire“, sodass sowohl die neuen als auch die alteingesessenen Fans wunschlos glücklich gemacht werden konnten.

Abschließend kann ich nur sagen, dass auch das diesjährige Rockharz wieder absolut Hammer war. Organisatorisch gibt es wie immer nichts zu meckern. Das Wetter hätte etwas besser sein können, aber auch davon haben wir uns die Laune nicht wirklich verderben lassen. Wir freuen uns jetzt schon wahnsinnig auf das nächste Rockharz, für das bereits Accept und Subway to Sally bestätigt sind. Zudem feiert das Festival 2013 sein 20jähriges Jubiläum. Wir sind gespannt, was sich die Veranstalter dafür alles einfallen lassen.

fe